Travel blogs by Travellerspoint

Canberra, Uluru und die Ostküste

Der letzte Abschnitt der Reise

Der Bus braucht ziemlich genau zehn Stunden von Melbourne nach Canberra. Canberra zu bauen wurde geplant, als man sich nicht einigen konnte, ob Sydney oder Melbourne die Hauptstadt werden sollte. Konsequenterweise liegt Canberra also zwischen den beiden größten Städten Australiens. Interessanterweise aber von Melbourne mehr als doppelt so weit weg wie von Sydney...
Ich kam an um sieben Uhr in der Frühe. Trugen die Leute wirklich Handschuhe? Ich jedenfalls wäre froh über welche gewesen. Bis ich endlich ein vernünftiges hostel gefunden hatte, waren meine Finger steifgefroren.
Ohne viel Zeit zu verlieren habe ich mich gleicht wieder aufgemacht, zum Parlamentsgebäude. Auf einem Hügel gebaut überblickt es das weitläufige Stadtgebiet. Die Architektur ist hell und klar, in dieser Hinsicht repräsentativ für die ganze Stadt. Auf dem Dach des Parlamentsgebäudes ist Rasen verlegt, man kann dort hinauf und läuft dann über den Köpfen der Parlamentsabgeordneten, was wohl eine symbolische Bedeutung haben soll. Recht beeindruckend ist der, ich weiß nicht wie hohe, aber jedenfalls ziemlich hohe Flaggenmast mit einer Australien-Flagge von der Größe eines Doppeldecker-Busses. Außerdem ist da auch ein Exemplar der Magna Charta von 1297 ausgestellt.
Von dort bin ich weiter zum alten Parlamentsgebäude. Es wird nicht mehr genutzt, aber Touren gibt es natürlich immer noch, die einem alles Sehenswerte zeigen, hauptsächlich eben die Senate Chamber und die House of Representatives Chamber. Außer den beiden Parlamentsgebäuden habe ich mir nur noch das Australian War Memorial angesehen, das auf einer Achse mit den beiden Parlamentsgebäuden liegt, und dem darin integrierten Museum, das mir wärmstens empfohlen wurde von einem komischen Neuseeländer. Die dortige Dämmerungszeremonie zur Ehrung der während der Weltkriege gefallen Soldaten wurde die Hälfte der Zeit vom Geschrei der Kakadus übertönt, was den Verantwortlichen verständlicherweise ziemlich zu irritieren schien. Mein Tag in Canberra neigte sich dem Ende zu. Früh morgens nahm ich den Bus nach Sydney.
Und schon am Abend des nächsten Tages kamen mein Vater, mein Bruder und meine Schwester in Sydney an. Wir checkten in einem freundlichen hostel ein, hatten dort ein Vierbettzimmer für uns. Die nächsten Tage blieben wir in Sydney, verbrachten den Großteil der Zeit in der City. Glücklicherweise hatten wir wirklich gutes Wetter. So konnten wir zwei Strandtage einlegen. Einen Tag Bondi, den anderen Manly. An diesem Tag verließ uns allerdings unser Wetterglück kurzzeitig. Es regnete fast den ganzen Tag. Es kann festgestellt werden: Bondi gefiel uns wesentlich besser.
Als wir am nächsten Morgen zu den Blue Mountains aufbrachen, war das Wetter wieder schön. Aber in den Blue Mountains ist es generell deutlich kälter als in Sydney, obwohl sie nur zwei Zugstunden von dort entfernt sind. Aber dafür liegen sie 1000m höher, vielleicht macht das den Unterschied. Die Blue Mountains heißen übrigens so wegen eines bläulichen Dunstes, der von den Blättern der Eukalyptusbäume aufsteigen soll. Auch wenn ich davon nichts bemerkt habe.
Dennoch, die Blue Mountains sind ziemlich cool. Die Three Sisters sind die bekannteste Felsformation. Wie so häufig gibt es eine Aborigini-Entstehungsgeschichte dazu, an diese kann ich mich sogar noch erinnern: Die Three Sisters sind, wie der Name schon vermuten lässt, drei Schwestern, die zum Schutz vor ich-hab-vergessen-was (so gut kann ich mich halt doch nicht erinnern) von ihrem Vater versteinert wurden. Dieser verwandelte sich selbst in einen Vogel, verlor so aber seinen "Zauberstab" und konnte deshalb seine Töchter nach überstandener Gefahr nicht zurückverwandeln. Er ist laut der Sage noch heute auf der Suche...
Vom Ausguck auf die „Three Sisters“ blickt man auf ein bewaldetes Tal mindestens 200 Meter direkt unter einem. Das ist schon recht beeindruckend. In jenes und in jenem Tal sind wir dann natürlich auch gewandert. Irgendwann wurde die Pfade anspruchsvoller, einsamer und, was wichtig war, sonniger, sodass es dann ziemlich Spaß gemacht hat. Auf dem Weg zurück haben wir eine Seilzugbahn genommen, die mit ihrer Steigung von zeitweise bis zu 45° eine der steilsten der Welt ist. Die niedrigen Temperaturen waren es schließlich, die uns schon recht schnell aus den Blue Mountains verschwinden ließen. Stattdessen fuhren wir nach Newcastle, gute 100km nördlich von Sydney, und damit zurück in die Wärme. In Newcastle gibt es eigentlich nicht sonderlich viel zu sehen. Aber es gibt Strände. Dort verbrachten wir unseren ersten Tag in Newcastle. Ein schöner Strand, gute Wellen, nur der Rettungsschwimmer hat genervt, weil er die ganze Zeit nur gelabert hat und ständig alle Leute zurechtweisen musste. Am nächsten Tag besichtigten wir eine Art kleines Reservat, wo man Kängurus, Koalas und Emus angucken konnte. Damit meine Familie Kängurus auch mal woanders als auf dem Teller zu sehen bekam. Danach ging es wieder zurück nach Sydney, wo wir auch die verbleibenden paar Tage verbrachten. Am letzten Tag waren wir noch bei meiner Lieblingsfamilie in Australien, bei der ich ja meine allererste Woche in Australien verbracht hatte, zum Essen eingeladen. Ich begleitete danach die drei zum Flughafen und nach gut zwei Wochen down under waren sie auch schon weg.
Ich ging die Zeit in Sydney ziemlich locker an. Am Anfang suchte ich nach einem Job, fand auch einen, den ich so gut fand, dass ich ihn nach einem Tag schon wieder geschmissen habe, dann kümmerte ich mich nicht mehr sonderlich darum. Irgendwann fing ich an meine Weiterreise zu organisieren, Mitte Mai schließlich flog ich aus Sydney ab.
9:55 war die Ankunft in Alice Springs. Warm, trocken. Ganz nett nach Sydney, wo das Wetter zuletzt doch den nahenden Winter angekündigt hatte. Schon am nächsten Morgen brach ich mit meiner Tour Richtung Süden auf. Erstes Ziel, das wir ansteuerten: der Kings Canyon. Dort wanderten wir so ein bisschen rum und sahen ihn uns eben an. Der Kings Canyon ist übrigens im Gegensatz zum Grand Canyon nicht eine gorge, sondern ein echter Canyon, also ein Spalt im Gestein, der sich immer weiter verbreitert hat.
Am Abend dann der erste Kontakt mit DER australischen Sehenswürdigkeit: Ayers Rock bzw. Uluru bei Sonnenuntergang. Am nächsten Morgen waren wir dann pünktlich zum Sonnenaufgang da um uns die Sache mal genauer anzusehen. Wenig überraschend, der Ayers Rock sieht von Nahem längst nicht so glatt aus wie man das vielleicht gedacht hatte. Und bin ich der einzige, der denkt, dass die Oberfläche so aussieht wie eine Kuchenglasur?
Anschließend waren wir bei den nur ca. 30km entfernten Olgas bzw. Kata Tjuta, der Aborigini-Name, der übersetzt „viele Köpfe“ bedeutet, was ziemlich passend ist, schließlich bestehen die Olgas aus über 30 kuppelförmig geformten verbundenen Gesteinssäulen, die teilweise deutlich höher sind als der Uluru. Mir persönlich haben die Olgas überhaupt wesentlich besser gefallen als der Uluru oder der Kings Canyon. Natürlich finde ich es gut, dass ich den Ayers Rock letztlich doch noch gesehen habe, aber das war es auch so ziemlich. Von der Erhabenheit, die ihm von einigen zugeschrieben wird, von der besonderen Atmosphäre konnte ich nicht entdecken. Bei den Olgas war das anders, und deshalb haben die mich auch deutlich mehr beeindruckt.
Einen Tag später bin ich aus dem schön sonnigen Alice Springs abgeflogen ins regnerische, graue Cairns. Zum Glück blieb ich da nur die Nacht über und fuhr bereits am folgenden Morgen mit dem Bus nach Airlie Beach, was immerhin elf Stunden dauert. Airlie Beach ist eine ziemliche kleine Stadt, außer einem Strand und einer künstlich angelegten Lagune scheint es dort nicht viel zu tun zu geben. Und natürlich ist es der Ausgangspunkt für die meisten Segel-Touren zu den Whitsundays, einer Inselgruppe bestehend aus 74 Inseln, weswegen ja auch ich da war. Eines sonnigen Tages also ging ich mit einigen anderen an Bord der Tallarook 3. Sobald wir auf dem Schiff und auf offenem Wasser waren, wurde das Wetter praktisch schlagartig schlecht. Es fing an, ziemlich doll zu regnen, was nicht ganz das optimale Wetter für einen entspannten Segeltörn ist. Ich fands aber eigentlich ne ganz interessante Erfahrung. Eines jedenfalls ließ sich überhaupt nicht vermeiden, nämlich nass zu werden, und zwar klitschnass. Sobald es dann dunkel wurde und es also nichts mehr zu sehen gab, ging der Großteil der Gruppe, die aus ziemlich vielen Engländern und Iren, ein paar Deutschen sowie einem Franzosen, einem Kanadier und tatsächlich einer US-Amerikanerin bestand, ans Trinken. Da sowohl Engländer als auch Iren recht trinkfreudig sind (diese zumindest waren es) ging das ziemlich lange. Irgendwann bin ich dann einfach ins Bett, um die erste Nacht auf See meines Lebens zu genießen. Am nächsten Tag war das Wetter deutlich besser, so dass man auch vernünftig Tauchen und Schnorcheln konnte. Wir sind den Tag über natürlich noch durch die Whitsundays gefahren, deswegen waren wir ja da. Bevor wir am nächsten Tag dann wieder in den Hafen von Airlie Beach einliefen, stand morgens noch mal Schnorcheln auf dem Programm, wobei wir beinahe unsere US-Amerikanerin verloren hätten.
Noch am gleichen Tag bin ich mit dem Bus weitergefahren nach Rainbow Beach, was dieses Mal eine Fahrt von über zwölf Stunden bedeutete. Rainbow Beach ist neben Hervey Bay der zweite Ausgangspunkt für Safaris nach Fraser Island, was auch der Grund für mich war, dort hinzugehen. Am Abend hatte ich ein kurzes Briefing über die Fraser Island-Safari. Auf Fraser macht man normalerweise self-drive safaris. Eine Besonderheit an Fraser Island ist, dass die Strände als Autobahnen benutzt werden und sogar auch als Lande- und Startbahnen für Flugzeuge. Es gelten dann entsprechend auch dieselben Regeln wie für das Fahren auf der Autobahn, was ja für einen Strand doch etwas ungewöhnlich ist. Anders als auf normalen Autobahnen gibt es aber am Strand Stellen mit Auswaschungen, dort nämlich, wo Bäche ins Meer münden, diese sind teilweise schlecht zu sehen und können wohl auch ziemlich tief sein, sodass, wenn man unerwartet und mit vollem Tempo in eine solche gerät, ziemlich doofe Sachen passieren können. Man übersieht also besser nichts. Außerdem gibt es auf Fraser Island Dingos, man kriegt also auch noch eine Unterweisung in „Dingo-smartem“ Verhalten, das im Grunde darauf hinausläuft, sie nicht zu füttern und im Dunkeln nicht alleine rumzulaufen. Am nächsten Tag fuhren wir, eine Gruppe von insgesamt zehn Leuten, mit unserem „eigenen“ Jeep los, mit der Fähre legten wir von der Küste ab und vielleicht fünf Minuten später waren wir auf Fraser Island, der größten Sandinsel der Welt, 120km lang und 15km breit. Angeblich findet sich auf Fraser Island mehr Sand als in der Sahara. Die Tatsache, dass die Insel praktisch eine riesige Düne ist, ist so offensichtlich nicht, es gibt haufenweise Vegetation dort. Und was auch gut ist an Fraser Island, sind die vielen Seen, es gibt wohl so um die 200, was doch ordentlich ist. Diese Seen sind auch die einzige Möglichkeit, auf Fraser schwimmen zu gehen, denn im Meer darf man dort wegen vieler Haie nicht baden. Zur Abschreckung wird normalerweise ein Foto rumgezeigt, von einem Pärchen, das sich im Wasser vergnügt, nicht bemerkend, dass ein vielleicht sechs Meter langer Hai direkt hinter ihnen ist. Ihnen ist letztlich nichts passiert, ansonsten würden sie wohl auch das Foto nicht jedem zeigen. Die Seen auf Fraser sind aber wirklich schön und wohl die Hauptattraktion der Insel. Wir jedenfalls waren bei einigen auf der Insel und sie waren alle ziemlich gut. Es waren auch verhältnismäßig wenig Touristen da, normalerweise gibt es wohl wesentlich mehr, aber wir machten die Safari ja auch außerhalb der Hochsaison. Dafür hatten wir dann mal wieder mit dem Wetter nicht so viel Glück; nicht, dass es die ganze Zeit regnete, aber wirklich sonnig war es eben auch nicht, besonders nicht am Anfang. Wenig überraschend habe ich an diesem Tag auch meinen ersten Dingo gesehen. Zuerst noch etwas Besonderes und Grund genug, an den Straßenrand (bzw. Strandrand) zu fahren, wurde ihr Anblick schnell ziemlich normal. Es gibt dort eben sehr viele. Gefährlich sahen die ehrlich gesagt nicht aus, doch da ich kein kleines Kind bin, gehöre ich ja sowieso nicht zur Risikogruppe.
Am nächsten Tag hatten wir besseres Wetter, wir sind wieder ziemlich viel rumgefahren, die Insel ist ja auch nicht gerade klein, unter anderem zu einem ziemlich sehenswerten See, und das Wrack eines an der Ostküste gestrandeten Schiffes, der Maheno, haben wir auch noch angesehen. Da der Name wohl „Maheno“ wohl so etwas wie „schöne Insel“ bedeutet, denken manche, es sei das Schicksal des Schiffes gewesen, letztlich auf Fraser Island zu landen. Zumindest erscheint es einem schon ein ziemlicher Zufall zu sein. Am nächsten Tag verließen wir Fraser Island. Glücklicherweise hatten wir dem Auto keinerlei Schäden zugefügt, was wohl sonst relativ teuer geworden wäre.
Einen Tag später wollte ich nach Brisbane weiterfahren, der Hauptstadt von Queensland, und erinnerte mich daran, dass ich dort eine Frau kenne. Ich hatte sie etwa sieben Monate zuvor in Darwin kennen gelern. Wir hatten eine vielleicht einstündige Tour durch das dortige Parlament gemacht, in Anschluss derer sie mir ihre Adresse und Telefonnummer gegeben hatte, zusammen mit der Aufforderung, sie anzurufen, wenn ich mal nach Brisbane kommen würde. Obwohl ich in Anbetracht dessen, dass das schon so lange her war, erst zögerte, rief ich sie schließlich an, sie erinnerte sich sogar noch an mich und meinte, ich könne bei ihnen bleiben. Ich fuhr also am nächsten Tag nach Brisbane, schaffte es auch, mehr schlecht als recht, mich mit den öffentlichen Verkehrsmitteln bis zu Deborah, so heißt sie, und ihrem Mann Malcolm durchzukämpfen. An dem Abend lief das erste „State of Origin“-Spiel, mit eins der größten Sportereignisse in Australien. Da Malcolm selbst mal Rugby gespielt hatte, war es natürlich Pflichtprogramm, das Spiel zu sehen. Ich bekam bei der Gelegenheit die längst überfällige Einführung in Rugby und Football in Australien. Es gibt in Australien drei auf den ersten Blick ähnlich erscheinende Sportarten (mit aber doch recht unterschiedlichen Regeln): Australian Rules Football, das in der AFL (Australian Football League) gespielt wird, außerdem zwei Arten von Rugby, Rugby League und Rugby Union, gespielt in der NRL bzw. NRU. AFL und NRL sind die populäreren Varianten, wobei je nachdem wo in Australien man ist, das eine oder das andere bevorzugt wird. Melbourne war ganz klar AFL-dominiert, Brisbane und Sydney, somit Queensland und New South Wales sind eher NRL-Gebiet. NRU ist in Australien nicht so sonderlich beliebt, es wird aber mehr oder weniger weltweit gespielt, wohingegen AFL nur in Australien, NRL fast nur in Australien und Neuseeland gespielt werden. Und bei den drei „State of Origin“-Spielen, treten Queensland und New South Wales gegeneinander an. Eine Sache, die den Fans ziemlich zu Herzen geht. Das Spiel verlor Queensland, die Stimmung am darauffolgenden Tage war deswegen generell nicht so toll. Ich hatte aber einen ziemlich guten Tag, schaute mir eben Brisbane an. Ich hatte nur einen Tag dafür, musste mich also beeilen. Ich hatte Glück mit dem Wetter, es war beinahe zu heiß, und vielleicht auch deshalb gefiel mir Brisbane richtig gut. An den Windungen des Brisbane River gelegen ist es dort freundlich, sauber und grün. Entgegen meinen Prinzipien ;) war ich sogar im Museum und der Queensland Art Galery. Abends nahm mich Malcolm noch mit zum Mount Coot-tha, von dem aus man praktisch ganz Brisbane sehen kann. So hatte ich dann von Brisbane an dem einen Tag doch ziemlich viel gesehen und Deborah und Malcolm waren wirklich nett, bei ihnen im Haus hatte ich mein eigenes Zimmer, bekam Essen, es war beinah, als gehörte ich zur Familie, was wirklich gut war. Dennoch, am nächsten Tag brach ich aus Brisbane wieder auf.
Wenige Stunden später kam ich in Byron Bay an, von wo ich schon am Abend weiter nach Sydney fahren würde. Ich hatte dort praktisch nur einen Strandaufenthalt. Der war aber auch ziemlich gut. Bei dem Strand auch kein Wunder, und das Wetter hat auch mitgespielt. Den Sonnenuntergang habe ich mir am Strand angesehen, ich saß bei einer Gruppe von Leuten, die getrommelt und Didgeridoo gespielt haben. Unter anderem deswegen bestätigte der Abend für mich dann auch die allgemeine Ansicht, dass Byron Bay etwas alternativ und noch nicht komplett vom Tourismus überrannt ist.
Am nächsten Morgen kam ich in Sydney an, wo ich die mir verbliebene letzte Woche blieb. Genauer gesagt wohnte ich die letzte Zeit mal wieder bei den Koestlins. Inzwischen hatte sich die Familie allerdings vergrößert, außer Martin, Anna und ihren drei Söhnen waren nun noch Manu, ein 15-jähriger Junge aus Neuseeland, eingezogen und ein weißer Golden Retriever, Buff. Es war also etwas enger geworden. Aber die sind ja alle nett. Buff gewöhnte sich auch schnell an mich, kannte mich eigentlich noch von dem kurzen Besuch einen Monat zuvor. Aber er ist da ein bisschen komisch, mit sieben Monaten auch noch ziemlich jung und häufig etwas ungestüm. Komischerweise ist er auch ein Wachhund, was Retriever ja wohl eigentlich sein sollten. Jedenfalls führte das dazu, dass, wann immer er geweckt wurde, er die durchs Schlafen verursachte Vernachlässigung seiner Aufgabe durch übereifriges und teilweise etwas aggressives Verhalten ausgleichen zu wollen schien. George hat er so einmal gebissen als dieser mal nachts aufs Klo wollte. Tja, so kanns gehen. Mir ist in der einen Woche aber zum Glück nichts passiert, es war im Gegenteil eigentlich ziemlich spaßig.
Mein Rückflug war dann am 3.Juni. Ich verabschiedete mich morgens von der Familie und wurde von Martin zum Flughafen gefahren. Dort erwartete mich gleich die erste Schwierigkeit: Mein Rucksack überstieg das zulässige Höchstgewicht um 2kg. Ich wollte zuerst dafür zahlen, überlegte es mir aber bei einem Preis von 65 Australischen Dollar (ca. 40 EUR!) pro Kilogramm schnell anders und schmiss lieber ein paar Sachen weg. Das sollte aber das einzige Problem der Rückreise bleiben. Der Flug war gut, denn ereignislos. Die fünf Stunden Aufenthalt in Taipeh waren zu kurz um raus zu können und deshalb zu lang. Auch der zweite Flug normal, also gut.
Und dann am 4.6. um 6:50 kam ich in Deutschland an. Anstatt den Zug direkt nach Berlin zu nehmen, machte ich einen Abstecher nach Ulm, um dort meine Großeltern zu besuchen. Wir gingen essen, unterhielten uns und ich freute mich, dass es in Deutschland erst um zehn dunkel wird und nicht um fünf, wies es die letzte Zeit in Sydney gewesen war. Dort war schließlich seit Juni Winter.
Am nächsten Tag nahm ich dann aber wirklich den Zug nach Berlin. Um 14:23 kam ich etwas verspätet am neuen Berlin Hauptbahnhof an.

Posted by Blablub 10:58 Comments (1)

Commonwealth Games, green electricity und Aussie Rules

Melbourne

Melbourne also...
Ueber einige Ecken (naja, vielleicht zwei) konnten wir (Susanne, George und ich) bei einem australischen Ehepaar uebernachten. Alastor und Gaile, beide irgendwie kirchlich ziemlich engagiert, aber trotzdem ;) (oder gerade deswegen?) liebe Leute, und sehr von ihrer Stadt eingenommen. Aeusserte sich zum Beispiel, aber laengst nicht ausschliesslich, in solchen Auffassungen wie der, dass das melbourner Leitungswasser das beste der Welt sei. Naja...! ;)
Ich hatte mein eigenes Zimmer, ausgestattet noch dazu mit einer kleinen Bibliothek (naja, einige Buecherregale halt), wie nicht anders zu erwarten eben hauptsaechlich Literatur ueber religioese Themen.
Der naechste Tag wurde dann der Erkundung der Stadt gewidmet, so viel wie eben an einem einzigen Tag zu schaffen ist. Was so wenig gar nicht ist. Vom Victoria Market am oberen Ende der City haben wir uns nach unten gearbeitet, mit einem obligatorischen Besuch China“towns“, das aus nur einer Strasse besteht, bis wir schliesslich zum Botanischen Garten unterhalb (okay, suedlich) der City kamen. Dort wurden wir schliesslich von Gaile und Alastor aufgelesen und dann gings auf den Rialto Tower, Melbournes (noch) hoechstes Gebaeude, um die Stadtbesichtigung durch einen Blick von oben zu vervollstaendigen. Anschliessend gings zurueck "nach Hause" und zu einem wohl echt australischem Barbecue. Am naechsten Tag brachen Susanne und George auch schon nach Sydney auf, um von dort aus die Ostkueste hochzureisen.
Ich dagegen blieb in Melbourne, wurde mitten in der City abgesetzt und war wieder alleine. Viel Zeit hatte ich nicht zum Betruebtsein oder Einsamfuehlen, denn nur fuenf Minuten spaeter traf ich einen Bekannten aus Cairns wieder, mit dem ich lockeren sms-Kontakt gehalten hatte. Zufaelle gibts! Er zeigte mir gleich ein gutes hostel, verliess Melbourne aber schon am Abend wieder, das Vergnuegen war also nur ein kurzes. „Mein“ Paerchen von der Mangofarm, René und Geli, hab ich dann ein paar Tage spaeter auch noch getroffen, zum was-weiss-ich-wievielten Mal.
Natuerlich musste ich mich auch um einen Job kuemmern. Was gar nicht so einfach war. Und so hab ich erst mal Gelegenheitsjobs gemacht. Einen Tag lang Holz-Bretter und Spanplatten einen engen Treppenaufgang hochgeschleppt - keine sonderlich spassige Sache, ganz besonders nicht ohne Handschuhe. Und dann hab ich noch fuer ein paar Tage in einer Buecherei gearbeitet. Den ganzen Tag im Buechermagazin die Buecher umschichten, um ein zusaetzliches Regalbrett einfuegen zu koennen. Ja, das war genauso spannend, wie es sich anhoert! Aber dafür recht relaxed, da unbeaufsichtig und mit langen Pausen. Immerhin.
In der Zwischenzeit hatte ich das hostel gewechselt. Dort lernte ich dann zwei Deutsche kennen, Kate und Sandra, mit denen ich von da an oefter mal was machte, im Kino war und solche Sachen. Zumindest Kate hoffe ich dann in Deutschland wiederzusehen. Ich traf mich auch noch einmal mit René und Geli um zusammen tief einzutauchen in die australische zeitgenoessische Kultur: Wir haben uns ein Spiel der Australian Football League (AFL), gemeinhin auch als „Aussie Rules“ bekannt (weil man es eben nur in Australien spielt) angesehen. Geelong gegen Carlton. Und obwohl ich eigentlich keine Ahnung habe, wie die Regeln sind, ist es eine ziemliche spassige Angelegenheit. Und in einer der Pausen habe ich stilecht fish and chips mit Salz und Essig gegessen – yummy! Das war dann auch das letzte unserer vielen Treffen. Schade eigentlich...
In dem neuen hostel machte ich nach kurzem auch die Bekanntschaft eines Englaenders, der mir dann meinen ersten richtigen Job in Melbourne vermittelte: als door-to-door salesman. Das hoerte sich ziemlich gut an. Recht kurze Arbeitszeiten, die Arbeit an sich nicht hart und das Geld schien auch zu stimmen. Ich ging also zu einem Training, wo ich dann in die ganze Sache eingefuehrt wurde: Jack Green, Elektrizitaets-Anbieter. Meine Job war es, von Tuer zu Tuer zu gehen und die Leute dazu zu bringen, einen 3-Jahres-Vertrag zu unterschreiben. Da es gruene Energie ist und der Preis im Endeffekt wohl sogar geringer war als der des Standard-Stomanbieters, eine scheinbar einfache Aufgabe. Und die paar Male, die ich am Anfang anderen nur dabei zugesehen habe, festigten diese Ansicht. Als ich dann aber losging und auf mich allein gestellt die Sache anging, merkte ich, dass das doch alles andere als leicht war. Unangenehm natuerlich die vielen Gelegenheiten, an denen mir einfach die Tuer vor der Nase zugeschlagen wurde. Und selbst wenn das nicht passiert ist, so gab es eine Fuelle anderer Gruende, aus denen sie nicht unterschreiben „konnten“. Letztlich war das Problem, dass die allermeisten, obwohl sie die Vorteile durchaus einsahen – was an sich auch nicht so schwierig war, denn das Produkt war ganz gut – einfach nicht unterschreiben wollten. Nicht, dass ich keinen einzigen „sale“ gemacht haette. Wenn jemand wirklich positiv eingestellt war, dann hab ich das schon hingekriegt; das haette wohl aber jeder. Gab es allerdings Zweifel und Vorbehalte - keine Chance. Und die einfachen Faelle sind leider recht selten – so kam ich eben oefter mal mit einem „donut“ nach Hause: zero sales. Ich zog den Job aber ganze zwei Wochen durch, bis ich dann felsenfest davon ueberzeugt war, dass er nichts fuer mich war. Spass hats von Zeit zu Zeit aber schon gemacht, denn selbst wenn man die Leute nicht dazu bringen kann zu unterschreiben, so ergeben sich manchmal schon nette Gespraeche. Insgesamt war es eine sehr interessante Erfahrung. In finanzieller Hinsicht allerdings... naja, es wurde eben auf Kommissionbasis gezahlt, und zwar ausschliesslich. ;)
Kurz nachdem ich den Job gekuendigt hatte, fingen die Commonwealth Games an. Die sind im Prinzip so was wie die Olympischen Spiele, allerdings treten nur Mannschaften des Commonwealth an (was ja irgendwie auch Sinn macht).Insgesamt nahmen 79 Nationen und Territorien teil. Also nicht ein Land = ein Team. Das UK bringt es auf ungefaehr sechs Mannschaften, u.a. England, Schottland, Nord Irland, Wales und Jersey. Etwa von der Haelfte der teilnehmenden Nationen bzw. Territorien hatte ich den Namen vorher noch nie gehoert, wie viel auch immer das heissen mag. Aber es ist trotzdem etwa ein Drittel der Weltbevoelkerung repraesentiert. Wozu Indien wohl nicht unbetraechtlich beitraegt. Abgesehen von den sportlichen Ereignissen, die an mir mehr oder weniger unbemerkt vorbeigegangen sind – das Finale des Marathons war praktisch das einzige, das ich mir angesehen habe – wurden die Spiele begleitet vom Festival Melbourne, das aus massenhaft kulturellen Veranstaltungen bestand. Unter anderem viele Konzerte, alles umsonst natuerlich. So kam ich dazu, Jimmy Cliff live zu sehen, der ist ja anscheinend so was wie eine Reggae-Legende (ja, es war auch ziemlich gut), und auch Evelyn Glennie, ueber die ich mal eine Dokumentation im Kino gesehen habe („Touch the Sound“).
Ich hatte dann relativ schnell zwei neue Jobs, beides fundraising fuer Wohltaetigkeitsorganisationen. Beim einen Job, fuer den Cancer and Bowel Research Trust, ging es darum, Menschen als langfristige Spender zu gewinnen. Das beinhaltete auch das Aufnehmen der Kreditkarten-Details. Naja, den Job hab ich auch nicht gemocht, ihn nur zwei Tage lang gemacht. Und den Leuten die Kreditkarten-Details zu entlocken war ziemlich schwer. Dementsprechend mein Erfolg. Bescheiden, sozusagen. Positiv an dem Job war, dass ich nicht nur auf Kommissionsbasis bezahlt wurde, sondern es auch ein Basis-Gehalt gab. Haengen blieb ich dann aber beim anderen Job, fuer eine Organisation gegen Emphysema (Lungenaufblaehung?). Die Arbeit war praktisch genau die gleiche wie die, die ich auch schon in Perth gemacht hatte, und tatsaechlich, kannte mein neuer Chef den Typen von der Organisation in Perth, hatte dort auch gearbeitet, deutlich vor mir allerdings, und eine fruehere Kollegin aus Perth verdiente sich da auch ihren Lebensunterhalt, was ich aber erst ganz spaet feststellte. Machte aber nichts, denn ich mochte sie sowieso nicht. ;) Obwohl der Job also praktisch der gleiche war, der Verdienst war es nicht. In Perth wurde mehr gespendet. Tja,... gute alte Zeit eben. Dennoch habe ich den Job bis zum Ende durchgezogen, unter anderem auch wegen der grossen Flexibilitaet. Wenn ich nicht arbeiten wollte, dann eben nicht, wenn ich verschlief, fing ich spaeter an, und wenn ich keine Lust mehr hatte, hoerte ich frueher auf.
Tja, und dann waren knapp zwei Monate Melbourne auch schon vorbei. Waren wirklich schnell vergangen. Ich mochte es dort; nicht zuletzt durch den letzten Job, fuer den ich jeden Tag woanders war, kannte ich die Stadt ziemlich gut. Aber man kann ja nirgends ewig bleiben. Eines schoenen Tages also... naja, nicht ganz. Es war ja inzwischen schon April, somit schon lange Herbst, und obwohl sich das Wetter noch recht lange gehalten hatte und schoen gewesen war, die letze Zeit war ziemlich grau, regnerisch und zu kalt. Das machte den Abschied schon irgendwie leichter.
Eines Tages also setzte ich mich in den Bus. Und eine halbe Stunde spaeter hatte ich Melbourne verlassen.

Posted by Blablub 03:02 Comments (0)

Koalas und ein Leben im Luxus

Adelaide und die Reise nach Melbourne

Das erste, was Alex und ich von Adelaide mitbekommen haben, ist, dass es im Zentrum keine Parkplaetze gibt. Das zweite, dass hostels dort schoen teuer sind. Und es war richtig HEISS. Hitzewelle, ein paar Sportveranstaltungen fielen deswegen sogar aus.
Wie auch immer, wir scheckten erstmal in einem der vielen teuren hostels ein und gingen abends in einer Bar was trinken. Der erste Abend in Adelaide war gleichzeitig auch mein letzter Abend mit Alex, er brach am naechsten Tag auf.
Da ich diesmal keinen Job suchen musste, konnte ich mich, bei immer noch drueckender Hitze, die naechsten Tage ein bisschen in der Stadt umschauen. Gleich am ersten Nachmittag durfte ich etwa 60 oder 70 armen Schweinen, sonst auch Profi-Radfahrer genannt, dabei zusehen, wie sie sich durch die Innenstadt quaelten. Es war naemlich die letzte Etappe der Tour DownUnder, die aber wohl niemand kennt, ich zumindest kannte sie nicht. Ganz nett war, dass auch ein paar teams mitgefahren sind, die immer bei der Tour de France dabei sind und die ich deshalb kannte. Da musste ich natuerlich auch ein paar Beweisfotos machen. Mit einem Interesse, das ich noch nie fuer Tennis aufbringen konnte, habe ich in abendlichen Fernsehsessions dann auch die Australian Open verfolgt, habe Haas und Kiefer gegen Federer verlieren sehen. Komische englische Vokabeln haben die beim Tennis!
Adelaide fand ich dann doch recht schoen. Nicht atemberaubend spannend, aber schon ganz nett. Ich habe allerdings nicht viel gemacht, sondern bin die Sache eher ruhig angegangen.
Den Australia Day (26.Januar) habe ich ganz stilecht verbracht, mit zwei Deutschen (denen von der Mangofarm, diesmal haben wir uns aber nicht zufaellig getroffen) und zwei Deutsch-Schweizern. ;)
Morgens gab's in der City einen Umzug, bei dem sich anscheinend alle Vereine und Volksgruppen in Adelaide praesentiert haben. Anschliessend hat der Ministerpraesident(?) Suedaustraliens eine Rede gehalten und auch der Buergermeister Adelaides. Danach feuerten Kanonen ein paar Salutschuesse und es gab ein Feuerwerk bei Tageslicht, was ich noch nie gesehen hatte. Nach dem scottish bread in der Form Australiens sind wir zum Strand gefahren. Dafuer, dass Glenelg der schoenste Strand Adelaides ist(so habe ich es zumindest gehoert), ist er nicht so toll, aber zum Baden hat es gut gereicht. Und heiss genug war es auch.
Ich war noch nicht einmal eine Woche in Adelaide, als schon Susanne (meine Mutter) und George (ihr Freund) ankamen. Das bedeutete eine abrupte Anhebung des Niveaus. Nicht mehr jeden Tag Spaghetti mit Tomatensauce und Uebernachtung in hostels. Wir haben sofort in einem Motel in North Adelaide eingescheckt. Das Zimmer war sehr gemuetlich und das beste daran: Es war nur fuer uns drei! Wir hatten auch eine Terrasse praktisch fuer uns und einen Billardtisch, auf dem man umsonst spielen konnte. *seufz*
Von da an fuehrten wir das schoene Leben echter Touristen (nur um das Mietauto mussten wir uns kuemmern). Am ersten Tag waren wir am Strand und am zweiten im Botanischen Garten. Gegessen haben wir natuerlich nur in Restaurants. Und obwohl ich ja eine ziemliche Weile ohne sowas ausgekommen war, muss man sagen, naja, also es war schon ganz nett! :)
Nach den paar Tagen in Adelaide fing unser 2-Tages-Trip nach Kangaroo Island an. Kangaroo Island ist die drittgroessten Insel Australiens, gute 100km von Festland entfernt und bekannt vor allem dafuer,dass man dort praktisch alle wichtigen australischen Tierarten zu Gesicht bekommt. Und genau das ist das Ziel aller Tourguides. Am ersten Tag waren wir bei einer Seeloewen-Kolonie am Strand. Das sind komische Tiere. Sie kommen an den Strand nur, um sich von ihren tagelangen Beutezuegen auf See auszuruhen und genauso sehen sie auch aus. Meistens liegen sie einfach wie nasse Saecke auf dem Sand. Wenn sie sich doch mal bewegen, dann immer nur ein paar Meter, bevor sie sich erstmal wieder hinflaezen und sich davon erholen. Aber suess sind sie schon, besonders die kleinen, die grossen sind eher massive Fell-Fett-Berge.
In Little Sahara (woher die wohl ihren Namen hat?) haben wir sandboarding gemacht, sind also auf nem Surfboard liegend eine Sandduene runtergerutscht. Ziemlich spassig. Sandschluecken tut man aber wie ein bloeder und der Wind blaest einem den Sand auch sonst ueberall hin. Also erst mal schnell im Meer gebadet um das ganze Zeug wieder loszuwerden. Bei einer Wassertemperatur von nur etwa 18 Grad nichts fuer die Zartbesaiteten. Man merkte, das soviel eben nicht ist zwischen da und Suedpol. Unsere naechste Station: ein Gebiet der Insel, in dem es wohl besonders viele Koalabaeren gibt. Es sassen dort tatsaechlich einige in den Baeumen; nur wenige allerdings in einer fotographierfreundlichen Hoehe, die meisten hatten sich dreister Weise nach oben verzogen. Aber trotzdem: Fuer mich waren das die ersten Koalas in freier Wildbahn! Und die sind ja schon ziemlich knuddelig, irgendwie. Sie schlafen uebrigens etwa 20 Stunden pro Tag, sonderlich aktiv sind sie also nicht. Den Rest der Zeit fressen sie, nicht sehr spannend. Und Eukalyptus schmeckt ziemlich scheisse, so gesund ist er wohl auch nicht, nicht einmal fuer Koalas, und energiereich ebenso wenig. Naja,... an sich arme Viecher - aber solange sie suess aussehen...
Als es dunkel war, sind wir mit dem Auto nochmal aufgebrochen um die anscheinend nachtaktiven Pinguine zu suchen. Auf dem Weg machte unser Fahrer sich einen Spass daraus, die nachts in rauhen Mengen vorhandenen Wallabies und Kaengurus rumzuscheuchen und waer dabei dann fast mit einem Pferd zusammengestossen.
Aber zurueck zu den Pinguinen. Wir mussten einige Zeit suchen, aber schliesslich fanden wir einen und spaeter hab ich nochmal einen gesehen, der verstecke sich aber dann in einer kleinen Hoehle. Die vielen anderen Pinguine, die es dort eigentlich geben sollte, waren anscheinend gerade auf Nahrungssuche und deshalb vom Ufer aus nicht zu sehen. Die Pinguine dort sind mit etwa 30cm Hoehe ziemlich klein, was auch Sinn macht nach irgendeiner komischen Regel, nach der Tiere immer groesser werden, je kaelter es ist. Nun ja, in Australien ist es halt recht warm. Wobei das Wetter dann am zweiten Tag ziemlich scheisse war. Aber nichtsdestotrotz gings natuerlich weiter, es standen Robben auf dem Programm, und zwar australische und neuseelaendische Fellrobben, furseals. Die waren etwas aktiver und von daher interessanter als die Seeloewen; nicht so massig aber dafuer mit zwei Fellschichten (daher wohl der Name), weshalb sie ab und zu mal ins Wasser gehuepft sind, denn an Land war es ihnen zu heiss. Konnte ich an dem Tag nicht so recht nachvollziehen.
Wir waren dann noch bei einigen wirklich schoenen Plaetzen und Kangoroo Island sieht auch einfach gut aus, aber ein bisschen besseres Wetter haette die Sache doch etwas angenehmer gemacht.
Auf dem Weg zur Faehre haetten wir beinah noch ein Echidna ueberfahren, das ist sowas Igelmaessiges mit einer Ruesselnase, und bevor wir die Faehre zurueck aufs Festland nahmen, sahen wir noch ein paar Delphine draussen im Meer schwimmen. Also an Wildtieren hatten wir schon einiges gesehen. Allein die Schnabeltiere blieben von uns unentdeckt.
Abends kamen wir schliesslich in Adelaide an, wo das Wetter dankenswerterweise um einiges besser war als auf Kangaroo Island. Wir waren wieder in unserem Motel, gingen wieder essen und genossen den Luxus, auf den wir fuer eine Nacht hatten verzichten muessen. Aber es ging frueh ins Bett, schliesslich wuerden wir ja am naechsten Tag nach Melbourne aufbrechen.
Und so war es dann auch. Gegen Mittag gings los mit nem schoenen Mitsubishi Migna Mietwagen. Das war also ne neuere Version des Autos, das ich mit Alex (dem Schweizer) hatte. Da ich noch nicht 21 bin, durfte ich leider nicht fahren. Ich waer schon ganz gerne gefahren und ich war ja als einziger von uns den Linksverkehr gewoehnt, aber waere etwas passiert, waehrend ich am Steuer sitze, haetten wir fuer den Schaden voll aufkommen muessen. Und passieren kann ja immer was. Aber George, der die meiste Zeit gefahren ist (ja, nicht immer!), hat sich ziemlich schnell in den Linksverkehr reingefunden, von daher kein Problem.
Um dem immer noch nicht so ganz tollen Wetter zu entkommen fuhren wir weiter ins Landesinnere, also nach Nordosten. So kamen wir durchs Barossa Valley, einer recht bekannten Weingegend in Australien, die auch fuer uns, obwohl wir nirgends fuer eine Weinprobe angehalten haben, schoen war, weil es dort einfach nett aussah. Wie das halt so ist, hatten wir am Anfang oefter Wegfindungsschwierigkeiten, diesmal umso mehr, da wir keine ordentliche Karte hatten, sondern uns auf den lonely planet und Karten vom visitor centre verlassen mussten. So waren wir zum Beispiel auch ziemlich ueberrascht, als wir auf einmal mit der Faehre ueber den Murray River uebersetzen mussten. Der Murray River ist etwa 2700km lang, Australiens wichtigster Inlandswasserweg und wird dementsprechend auch "antipodean Mississippi" genannt. Aus welchen Gruenden auch immer es keine Bruecke gab, die Uebersetzung mit der Faehre war sowieso interessanter und umsonst war sie noch dazu.
Gegen Abend dann eine etwas andere Prozedur als ich sie die sonst vom Reisen gewoehnt war. Anstatt eine akzeptable Stelle zum Aufstellen des Zeltes zu finden und dann dort zu kochen, mussten nun ein Motel und ein akzeptables Restaurant gefunden werden. Und wenn man ehrlich ist, das ist schwieriger. Motels gibt genau wie Restaurants eben hauptsaechlich in Staedten, die manchmal nicht zur rechten Zeit auftauchen wollen. Vier Quadratmeter ebenen Boden gibt's ueberall! Sobald man aber erstmal was gefunden hat ist das dann doch ziemlich nett.
So auch am ersten Abend. Das Restaurant war gut, noch dazu hatten wir beim Essen einen Sonnenuntergang mit beeindruckend roten Wolken. Im Hotel hatte ich ein Zimmer fuer mich, sehr gemuetlich und mit eigenem Fernseher, der sogar einen Filme-Kanal hatte.
Am naechsten Tag fuehren wir weiter nach Sueden, praktisch entlang der Grenze von South Australia nach Victoria. Diese ueberquerten wir schliesslich in Bordertown, was ja auch irgendwie passend ist, nicht jedoch ohne uns vorher die dortigen weissen Kaenguruhs angesehen zu haben. Die sind natuerlich nicht frei, ansonsten wuerde die weisse Fellfarbe wohl bald verschwinden. Die hat in dem Fall nichts mit Albinos zu tun, aber dominant ist sie wohl nicht. Woher auch immer das kommt. es sieht jedenfalls ziemlich interessant aus.
Der naechste Punkt auf unserer Reiseroute waren die Grampians, ein bergiger National Park mit Erhebungen von immerhin 800, 900 Metern. Wie wir jedoch erfuhren kurz bevor wir dort ankamen, war der groesste Teil des National Parks aufgrund von Waldbraenden gesperrt; und leider nicht nur der groesere, sondern auch der schoenere Teil. Wir fuhren trotzdem hin, schauten uns alles von weitem aus an - und fuhren dann auch gleich weiter, denn die zugaenglichen Sachen schienen nicht so wahnsinnig toll zu sein, ausserdem war es schon Abend und es gab weder vernuenftige Restaurants noch Motels oder Hotels in der Naehe.
Das blowhole, das wir am naechsten Tag in der Naehe von Cape Bridgewater anschauten, wurde seinem Namen nur zur Haelfte gerecht, was ich ja inzwischen gewoehnt war. Der dortige petrified forest, also der versteinerte Wald, war eher ein Waeldchen, eine eher kleine (aber feine) Gesteinsformation, die eben aussieht wie versteinerte Baeume und genau das wohl auch ist.
Etwas weiter oestlich, in Port Fairy, faengt dann schliesslich die Great Ocean Road an, das bekannteste Wegstueck zwischen Adelaide und Melbourne. Sie ist nur etwa 300km lang, aber man braucht trotzdem relativ lange, weil es eben viele Aussichtspunkte gibt und man manchmal alle paarhundert Meter anhaelt. Die Kueste, an der die Great Ocean Road entlang fuehrt, ist eine Kalkstein-Steilkueste, teilweise sehr glatt, vielleicht 40, 50m gerade(!) runter, teilweise sehr zerklueftet, mit oft riesigen Teilstuecken, deren Verbindung zur Kueste durch das Wasser schon vor Ewigkeiten getrennt wurde. Das beruehmteste Beispiel dafuer sind die Twelve Apostles, Gesteinszaehne, die kurz vor der Kueste im Wasser stehen. Warum die Apostel heissen, weiss ich nicht. Dass es zwoelf davon gibt, glaube ich auch eher nicht, denn erstens habe ich nicht annaehernd zwoelf gesehen, obwohl ich zugegebenermassen nicht gezaehlt habe, zweitens ist wohl erst letztens einer in sich zusammengestuerzt. Es duerften also nur noch maximal elf sein.
Die Great Ocean Road war auf jeden Fall sehr sehenswert. Wir sind trotzdem auch ein paar Mal von ihr abgewichen, denn natuerlich gibt es auch im Landesinneren noch Sachen zu sehen. Einmal haben wir den Otway Fly Tree Top Walk gemacht. Der war nicht viel anders als der Tree Top Walk suedlich von Perth, fuer mich daher nicht so sonderlich ueberraschend neu, aber Susanne und George fanden den gut und ich schon auch. Da wir da zuerst abends auftauchten, als der gerade zumachte, und wir die Sache so auf den naechsten Tag verschieben mussten, schliefen wir diese Nacht in einem richtig schoen kleinen Kaff von vielleicht 30 Einwohnern oder so. Das war ganz nett. Ausserdem gab es da ganz in der Naehe einen Wanderweg zu einem idyllischem Wasserfall in irgendetwas Regenwaldaehnlichem. Ein anderes Mal fuhren wir weiter nach Sueden, um auf den Leuchturm beim Cape Otway zu steigen. Das Wetter war richtig stuermisch an dem Tag und auf der Spitze des Leuchtturms war es extrem, so windig habe ich es schon ewig nicht mehr erlebt. Man konnte sich richtig schoen reinlegen und die Haare peitschten einem uebers Gesicht. Auf dem Rueckweg vom Cape Otway dann noch ein kleines highlight fuer uns: ein Koala sass ganz dreist auf der Strasse, schien sich ueberhaupt nicht an den Autos zu stoeren. Die jedoch hielten alle an, die meisten Leute stiegen aus um ein Foto zu machen. Schliesslich dachen wir aber, dass es wohl am besten waere, ihn mal von der doch potentiell gefaehrlichen Strasse runterzubekommen. Aber der war echt faul. Ich stand praktisch direkt neben ihm bis es ihm mal aufging, wegzulaufen. Das war schon cool. Endlich war ein Koala auch mal richtig schoen nah dran.
Sobald die Great Ocean Road zu Ende war, blieb nur noch eine Strecke von vielleicht 150km Autobahn zu ueberwinden um schliesslich in Melbourne bei dem Ehepaar, das uns fuer zwei Tage bei sich uebernachten lassen wuerde, anzukommen. Dank deren Wegbeschreibung kein Problem. Wir waren in Melbourne!

Posted by Blablub 17:18 Comments (2)

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Glueck im Unglueck

Perth nach Adelaide

Ich hatte also wieder einen lift gefunden. Die Sache war aber sogar beinah noch dramatisch geworden, ich hatte Glueck im Unglueck. Da ich mich recht frueh damit angefangen hatte, hat das auch wunderbar geklappt. Nach kurzem wurde mir ein lift angeboten (natuerlich wieder von einem Deutschen, scheint bei mir ja immer zu sein). Wir waren uns ziemlich in allem einig, hatten dieselbe Route geplant und denselben Zeitrahmen und er war kein vollkeommener Idiot und sein Van war auch ganz nett. Nur einen Tag bevor es losgehen sollte, erfuhr er, dass er noch irgendwelchen Papierkram zu erledigen hat, von dem er bisher noch nichts wusste, und zwar in Perth und zwar in einer knappen Woche. So ist das eben mit den lifts: Man kann sich nie sicher sein, dass alles so klappt, wie man sich das denkt. Naja, das war ziemlich unguenstig, denn so lange wollte ich eigentlich nicht warten. Auf der Suche nach einem Ersatz durchstreifte ich nochmal alle hostels, in der Hoffnung, an den schwarzen Brettern doch noch eine Vielverspredende Notiz zu finden. Und in der Tat hatte ich Glueck, fand eine, die wunderbar passte und auch einen Aufbruch am naechsten Tag bedeuten wuerde. Ich rief also an und erfuhr, dass das Angebot noch steht und wir wirklich am naechsten Tag wuerden aufbrechen koennen. Der Typ, dem das Auto, ein Mitsubishi Magna Kombi, gehoerte, hiess Alex und, welche Ueberraschung, er war wieder deutschsprachig! Wenn auch diesmal wenigstens aus der Schweiz. Ich scheine da ein ganz besonderes Talent zu besitzen. :(
Ich traf Alex also am Nachmittag des naechsten Tages und auf gings!
Wenn man den ganzen Weg stur dem highway folgt ohne sich irgendetwas anzusehen, faehrt man von Perth nach Adelaide mehr als 2700km. Wir hatten also was vor uns.
Da wir ja zu recht spaeter Uhrzeit starteten war unser Ziel fuer den ersten Tag nur eines: Raus aus Perth!
Bis es daemmerte dauerte es nicht lange und das stellte uns natuerlich vor die Aufgabe, einen Platz zum Schlafen zu finden. Und ueberraschenderweise war das tatsaechlich ein Problem. Ich hatte das an der Westkueste noch nie erlebt: Jede kleine Strasse, die normalerweise zu einem kleinen ungestoerten Plaetzchen perfekt zum Uebernachten gefuehrt haette, endete suedlich von Perth unweigerlich bei einem Wohnhaus. Unser Zelt auf einem Privatgrundstueck aufzubauen fanden wir dann doch etwas, naja, riskant. Denn was Australier und ihr Eigentum angeht, hatte Alex einiges Unschoenes gelesen. Er war aber auch generell etwas vorsichtiger in diesen Dingen. Da er das erste Mal in Australien rumreiste durchaus nachvollziehbar. Es wurde jedenfalls immer dunkler und schliesslich entschieden wir aus lauter Verzweiflung, besser gesagt Resignation und Ratlosigkeit, einfach auf einen Campingplatz zu gehen. Und sogar der war dann schwierig zu finden. Fuer eine Uebernachtung zu bezahlen haben wir dann auch zum Glueck nur noch ein weiteres Mal gemacht. Man zahlt sich da ja sonst dumm und daemlich.
Am naechsten Tag fuhren wir weiter in Richtung Sueden, eine Gegend, die vor allem durch die vielen Tropfsteinhoehlen und die guten Surf-Straende gepraegt ist. Da wir beide grossartige Surfer sind, haben wir an den Straenden eher wenig Zeit verbracht und sind stattdessen in einer der Hoehlen gewesen. Uns wurde gesagt, Ngilgi sei die schoenste und sie war wirklich ziemlich gut.
South West Australia eine ausserdem ziemlich beruehmt fuer die vielen Winzereien, deren Schilder fast im Minutentakt am Rande der Strasse auftauchen. Angehalten haben wir jedoch nie. Denn mir schmeckt Wein nicht sonderlich und Alex trinkt generell keinen Alkohol. Als ich ihn fragte, warum nicht, erfuhr ich, dass Alex trockener Alkoholiker ist und zusaetzlich auch Kokain und Heroin und das meiste dazwischen genommen hat. Interessant.
Er ist aber inzwischen natuerlich clean und ist voellig Gesund, hat keine Krankheit aus dieser Zeit zurueckbehalten. Das ist selbstverstaendlich gut fuer ihn und es ist auch gut fuer mich; denn aus einer Flasche trinken kann schon mal passieren, und Hepatitis C(oder A oder B?) macht sich damit schlecht. Alex ist erst nach mehreren erfolglosen Versuchen schliesslich mit Hilfe von Narcotics Anonymous dauerhaft clean geblieben. Die haben so ein 12-Schritte-Programm. Nach ein paar Jahren damit war Alex dann, als ich ihn traf, gerade bei Schritt drei oder vier. Es dauert also ein bisschen, bis man alle zwoelf durchgearbeitet hat. Man soll sich aber soweiso sein ganzes Leben damit beschaeftigen, die Schritte immer mehr verinnerlichen, und dann gibt es ja noch ueberall auf der Welt Treffen, zu denen man hingehen kann. Alex war bei welchen in Australien und hat da wohl ganz gute Kontakte knuepfen koennen.
Bevor wir uns uebrigens getroffen hatten, war Alex auf einem Seminar, wenn man das so nennt, bei dem man neun Tage lang nicht sprechen durfte. Dafuer wurde aber pro Tag zehn Stunden oder laenger meditiert. Nicht uninteressant, das mal gemacht zu haben, schaetze ich.
Bald hatten bald die Suedwest-Spitze Australiens erreicht und wandten uns logischerweise nach Osten, sodass wir direkt zum karri forest kamen. Karri Trees sind mal wieder Eukalyptusbaeume, diesmal aber ziemlich grosse, wohl eine der hoechsten Baumarten, die es gibt. Auf ein paar dieser Baeume, eben den hoechsten von ihnen, wurden oben Feuerausgucke raufgesetzt. Der Gloucester Tree Fire Look-out, auf dem wir waren, war in einer Hoehe von 63m. Hochklettern musste man an Holmen, die in einer Spirale in den Baum gerammt wurden. Da kann es einem beim Aufstieg schon mal ein bisschen mulmig werden. Aber natuerlich ist alles durch ein Drahtgitter bestens abgesichert, man koennte hoechstens ein paar Meter fallen, bis einen die (doch recht steile) Spirale aus Holmen aufhaelt. Oder die Leute, die unter einem sind. Die Aussicht war ziemlich gut, man konnte sogar ein bisschen Rauch irgendwo sehen! ;) In der Naehe gibt es noch den Bicentennial Tree, der einen Ausguck auf 73m Hoehe und damit den hoechsten der Welt hat. Drauf auf dem waren wir allerdings nicht.
Am naechsten Tag waren wir dann beim Giant Tingle Tree, wieder ein Eukalyptusbaum, diesmal einer, der dazu neigt, sich unten extrem zu verbreitern. Durch Feuer wird dann dieser sehr breite Stamm natuerlicherweise ausgehoehlt, der Baum lebt aber trotzdem weiter, denn die lebendige Schicht ist das Holz der "Huelle" der so entstandenen Hoehle. Dort kann man ohne Probleme ein Auto unterstellen, bzw. konnte es frueher und hat es auch gemacht, inzwischen ist das aber verboten. (Ich habe uebrigens letztens gelesen, dass es 600 verschiedene Eukalyptus-Spezies gibt, von denen bis auf zwoelf alle in Australien beheimatet sind. Wer mal Eukalyptus-Baeume sehen will, hat also in Australien eindeutig die besten Chancen.)
Anschliessend haben wir den beruehmten Tree Top Walk gemacht, der einen auf einem metallenen Steg in bis zu 43m Hoehe durch die Baumkronen fuehrt. Das war recht beeindruckend, aber als eins der top ten Western Australias wuerde ich es im Gegensatz zum Lonely Planet nicht bezeichnen.
Unsere weitere Reise brachte uns nach Denmark, eine kleine Stadt, die den einzigen Vorteil hat, dass sie an einem Stueck Kueste liegt, das sehr kahl, sehr rauh aber eben sehr schoen ist, perfekt geeignet fuer einen kleinen Spaziergang ueber die Felsen. Ein paar schoene Felsformationen gibt es dort auch, so zum Beispiel die elephants rocks. Aber eigentlich sieht die ganze Kuestenlinie gut aus und das bis Albany, wo wir am naechsten Tag ankamen. Dort in der Naehe waren wir bei the gap, der ein klaffender Einschnitt ins Gestein ist. Es geht etwa 40 bis 50m tief runter und unten schaeumt der Ozean. Da moechte man wirklich nicht runterfallen. Aber ausnahmsweise ist mal nichts durch Zaeune abgesperrt, man kann also so nah ran, wie man will... ;) the natural bridge war auch nicht schlecht, das ist eben eine ziemlich grosse Fels-Bruecke, auf die man auch rauf gehen kann, sogar ohne groessere Probleme, auch wenn ich nicht glaube, dass man das eigentlich sollte. Das Blowhole schliesslich war auch toll, nur dass es eben nicht geblasen hat, es also nur ein ganz normales Loch war. :( Aber es hat zweimal komische Geraeusche gemacht und ausserdem haben wir beim vergeblichen Warten auf die Wasserfontaene einen netten Schotten kennen gelernt. Und das Paerchen, das ich von der Mangofarm in Katherine kenne, haben wir dort auch getroffen. Schon wieder. Aber die wurden mir sympathischer, je oefter ich sie traf.
Von Albany aus hatten wir eigentlich vor nach Osten weiter bis nach Esperance zu fahren. Gerade noch rechtzeitig, naemlich kurz bevor wir eigentlich los wollten, erfuhren wir jedoch, dass die Strasse zwischen den Staetden uberflutet und deshalb gesperrt war. Wie wir schon vorher wussten, gab es in der Naehe von Broome einen cyclone und wir wussten auch, dass dieser sich Richtung Sueden bewegt hatte. Als wir dann in Denmark ein bisschen truebes Wetter hatten, dachten wir, ok, der cyclone hat sich von Broome bis zur Suedkueste geschleppt - aber wen stoert schon das bisschen Regen?
Der cyclone jedoch war laengst nicht so schwach geworden, wie wir gedacht hatten: Zwischen Albany und Esperance hatte es in zwei Tagen soviel geregnet wie normalerweise in einem Jahr! Weitere Niederschlaege waren angekuendigt, weshalb wir unsere Aufbruchsplaene erstmal auf Eis legten und eine Nacht in Denmark verbrachten. Als am naechsten Tag die Prognose lautete, es wuerde bis zu einer Woche dauern, bis die Strassen wieder passierbar seien, entschieden wir, trotzdem loszufahren und eben einen Umweg in Kauf zu nehmen. Der war aber nicht unerheblich: anstatt der knapp 300km der direkten Verbindung fuehren wir einen grossen Bogen von etwa 700km Laenge, denn es war ein ziemlich grosses Gebiet durch den starken Regen unpassierbar geworden. Aus benzintechnischen sowie aus zeitlichen Gruenden war das natuerlich nicht sehr guenstig, und zu sehen gabs dort auch nicht viel, nur den Wave Rock, eine etwa 100m lange, 10m hohe wellenartig geformte Gesteinsformation. Manche fahren von den ganzen Weg von Perth nur deswegen und obwohl es ganz nett ist, ihn gesehen zu haben, kann ich das nicht so recht nachvollziehen.
Von dort aus gings dann suedlich weiter nach Esperance, auf dem Weg mussten wir als einziges Anzeichen fuer die Ueberschwemmungen eine dezent mit Wasser bedeckte Strasse ueberqueren - das war so aufregend! ;) Je naeher wir Esperance kamen, desto schlechter wurde das Wetter und dort hat es natuerlich geregnet. Nachdem wir ein bisschen Dosenfutter verdrueckt hatten (von Alex dankenswerterweise noch etwas verfeinert) machten wir uns auf dem Weg zu einem nahegelegenen Nationalpark. Es war schon dunkel, es regnete ein wenig und grosse Lust, lange nach nem netten Plaetzchen zu suchen, hatten wir nicht. Einen Camping-Platz gefunden haben wir nicht, stattdessen bauten irgendwann unser Zelt einfach auf dem Strand auf, so einer, bei dem gross "no camping" dranstand. Egal, wir wollten nun mal schlafen!
Am naechsten Morgen war das Wetter katastrophal, wir konnten gerade noch das Zelt unabgebaut unter ein Schutzdach stellen, bevor es in Stroemn zu regnen anfing. Zu allem Ueberfluss kam dann auch noch ein ranger, der uns darueber aufgeklaert hat, dass camping dort nicht wirklich erlaubt ist, was wir ja schon wussten. Mit einiger Muehe konnten wir in ueberzeugen, uns keine Strafe dafuer aufzuhalsen. Glueck gehabt!
Wir zogen also zu einem Camping-Platz um und trafen dort auch gleich meine alten Bekannten von der Mangofarm (ich sage ja, ich treff die oft!), mit denen wir einen ziemlich netten Tag in dem national park hatten, bei einem wunderbaren Wetter wie man es nach diesem Morgen nie vermutet haette.
Am naechsten Tag dann der Aufbruch, wir wollen endlich den Eyre Highway anfangen, der durch die Nullarbor Plain fuehrt. Das sind etwa 1200km Strecke mehr oder weniger gerade nach Osten. Das ist lang, aber heutzutage kein Problem mehr. Vor 50 Jahren war das zum groessten Teil noch ungeteerte Strasse, das war dann wohl etwas schwieriger.
Aber so schnell wuerden wir damit doch noch nicht anfangen. Auf dem Weg von Esperance nach Norseman naemlich, wo die Nullarbor Plain beginnt, fing auf einmal an, unser Kuehlwasser an zu kochen. Die Kuehlwassertemperaturanzeige hatte ich nie sonderlich beachtet, ganz einfach, weil ich damit noch nie Probleme hatte. Dass etwas mit dem Kuehlwasser nicht stimmte fiel mir entsprechen auch nur auf, weil Dampf der von der Motorhaube aufstieg. Naja, die erfahrenen Kfz-Mechaniker, die wir beide waren, warteten wir am Strassenrand mit nem blassen Schimmer darueber, was zu tun war. Einfach warten schien nicht so gut zu funktionieren und wir waren froh als uns einer, der dann mal anhielt, uns sagen konnte, dass der Riemen, der den Kuehlwasserfluss antreibt, gerissen war. Ueber die Tatsache selbst waren wir weniger froh. Aber es half ja alles nichts. Auf zu ner Werkstatt! Die eine, nur fuenf Kilometer entfernte und zu der hinzukommen, indem wir immer nur kurz beschleunigten und den Wagen dann praktisch ausrollen liessen, schon schwierig und nervtoetend genug war, hatte natuerlich keine passendes Ersatzteil. Die naechste Moeglichkeit: Das 100km entfernte Esperance. Das ist eine weite Strecke, wenn einem dieses spezielle Teilchen fehlt. Alex entdeckte jedoch seine MacGyver'sche Ader und nach mehreren eher kurzlebigen Versuchen mit einer Schnur verhalf uns schliesslich der eine Schnuersenkel seiner guten Wanderschuhe zu einer Ankunft in Esperance nach nur wenigen Stunden.
Dort wurde alles geflickt und wir machten uns also wieder auf nach Norseman und starteten sogar schon den Eyre HWY. Eigentlich wollten wir an dem Tag die Grenze ueberqueren, aber die knappen 800km waren bei weitem nicht mehr zu schaffen.
Der naechste Tag bestand dann aus hauptsaechlich aus Autofahren. Aber ab und zu gab es lookouts und da haben wir dann natuerlich angehalten. Ausserdem sind wir irgendwann die 145km, die es dort auf der Autobahn nur geradeaus geht, entlang gefahren. Ist die laengste solche Strecke in Australien. Wow! Stellt jedenfalls keine grossen Anforderungen an den Faehigkeiten des Fahrers. So langweilig fand ich die ganze Strecke aber nicht. Mir hat die Durchquerung der Nullarbar Plain gefallen. Und wir hatten noch viel vor uns. Bis nur Grenze haben wir es an diesem Tag gar nicht geschafft. Das haben wir auf den naechsten Tag verschoben. Die Grenzueberquerung war natuerlich kein Problem, man darf eben kein Obst oder Gemuese mit ruebernehmen. Aber es wird nicht sehr gruendlich nachgeschaut. Wir haben aus Versehen eine Orange ueber die Grenze geschmuggelt. Das kann bis zu 5000AUD kosten. Aber solange es keiner merkt...
Weil Alex am naechsten Tag schon in Adelaide sein wollte, hatten wir es dann ein bisschen eilig und scherten uns wenig um was auch immer es da zu sehen gab. Nur zu den Flinders Ranges wollte ich doch auf jeden Fall noch auf dem Weg nach Adelaide und nach etwas Ueberzeugungsarbeit meinerseits wollte das Alex auch. Allein die Fahrt dorthin zeigte, dass es eine gute Entscheidung war. Kurvig, auf und ab, das war recht spassig. Zum Glueck bin ich gefahren. Es war eigentlich ein Zugestaendnis an Alex gewesen um ihn zu ueberreden. Und die Sicht auf die Berge, die eben den Flinders Ranges National Park ausmachen, war super. Auch der Park war landschaftlich ziemlich beeindruckend. Und es war schoen einsam. Als wir gegen Abend ankamen war bei dem einzigen Resort niemand mehr und auch auf dem Weg zu dem bush-camping-Gebiet haben wir keine Menschenseele getroffen. Der Weg dorthin war 25km Schotterstrasse. Am Anfang habe ich den Fehler gemacht, mit 25 oder so da entlangzutuckern, aber dann merkt man echt jede Bodenwelle. Und davon gabs einige. Sobald ich jedoch anfing, 50+ zu fahren, hat's einfach nur noch Spass gemacht. Auf dem Rueckweg ist dann leider Alex gefahren, und zwar auch die Strasse, die zum National Park fuehre. Ist aber wohl gerecht. Bevor wir aber den NP wieder verliessen, haben wir noch ne kleine Wanderung gemacht. Die Gegend ist einfach ziemlich schoen, deshalb war das auch diese Wanderung. Davon, Langes zu machen wurde uns abgeraten, schliesslich waren ueber 40 Grad angesagt. So war es auch gut, dass wir vor Mittag da weg kamen.
Am Nachmittag kamen wir dann nach elf Tagen in Adelaide an.

Posted by Blablub 19:03 Comments (1)

Kakerlaken, Kroeten und Quokkas

Perth, die zweite

Perth...das ist ja schon beinah wieder ne Ewigkeit her...
also... ich hatte ein billiges hostel und einen Job und war bereit, zu begegnen was immer da kommen wuerde...
Urspruenglich hatte ich geplant gehabt, nur kurzfristig in einem hostel zu bleiben und mir, sobald ich einen Job gefunden habe, ein Appartment in der Naehe zu suchen. Ich habe dann jedoch festgestellt, dass die Appartments in der Innenstadt saemtlich nicht billiger, sondern teurer als mein hostel waren (und das auch noch ohne morgendliche pancakes!) und entschied mich von daher, auf Dauer im hostel zu wohnen. Obwohl das natuerlich etwas weniger Privatsphaere bietet, ist es mit mehr Leuten schon interessanter. Besonders an diesem Hostel waren die vielen Franzosen. Die hingen ziemlich oft zusammen rum und gesprochen wurde dann, wenig ueberraschend, franzoesisch, was fuer mich eine Gelegenheit war, mal wieder meine Sprachfaehigkeiten auszuprobieren (das haben die auch noetig, besser werden sie durch Australien ganz bestimmt nicht).
Mit den Franzosen bin ich ab und zu mal abends weggegangen, genauso wie mit anderen aus dem hostel.
Mein Job im Simon's Seafood Restaurant liess mir dazu auch ausreichend Zeit. Wenn ich eine Abendschicht gearbeitet hatte, war ich normalerweise um zwoelf zurueck, hatte also noch genug Zeit wegzugehen, wobei man sagen muss, dass in Perth die Clubs oft schon um zwei die Leute rausschmeissen, was mir irgendwie unverstaendlich ist. Zum Glueck gab es da auch Ausnahmen. Meine Abendschichten wurden aber mit der Zeit sowieso immer mehr durch Mittagsschichten ersetzt, die dann in Sachen Abendgestaltung natuerlich ueberhaupt keine Probleme mehr bildeten. Dafuer machten sie es schwierig, den Tag angenehm zu verbringen. Eine vier- bis fuenfstuendige Unterbrechung begrenzt einen in dieser Hinsicht doch ziemlich.
Zur Buecherei gegangen bin ich die ganze Zeit ueber recht haeufig, ausserdem war ich ab und zu mal an den Straenden. Die sind alle ganz schoen und ziemlich comfortabel zu erreichen - und das Wetter war einfach perfekt dafuer, am Strand zu liegen!
In Weihnachtsstimmung bin ich nicht richtig gekommen. Der kleine Plastik-Weihnachtsbaum und die Papiergirlanden, die jemand in einem sentimentalen Anfall an die Wand in meinem Zimmer gehaengt hatte, halfen auch nicht viel; sie waren so aermlich, dass sie weihnachtliche Gefuehle sogar eher verhinderten, zu sehr zeigten sie, dass es eben nicht weihnachtet, sondern alles nur eine billige Imitation ist. Mein Heiligabend war dann aber ganz gut. Ich war am Strand, genoss den Sand, die Sonne, das Meer... gar nicht schlecht, ganz und gar nicht!
Abends musste ich dann arbeiten. Einer der eher stressigen Tage. Einerseits ist das ganz gut, denn es gibt nichts Schlimmeres als wenn gar nichts zu tun ist und man aus lauter Langeweile anfangen muss, Glaeser zu polieren oder Servietten zu falten. Andererseit ist es aber eben doch ziemlich anstrengend, den ganzen Abend nur hin und her zu rennen. Zu normaler Zeit war die Arbeit dann aber zu Ende, sodass ich noch die hostelinterne Christmas Eve party geniessen konnte.
Am Christmas Day habe ich auch gearbeitet, das war mir aber nicht unrecht. So bin ich dann auch noch zu meinem Weihnachts-Truthahn gekommen. Im Simon's gab es normalerweise nach jeder Schicht fuer die Angestellten ein Essen. Und an Weihnachten war das eben...
In der naechsten Woche hatte ich dann ganz ueberraschend nur noch zwei Schichten. Wenn man davon ausgeht, dass ich von dem Gehalt mein Leben fristen musste und ausserdem noch ein bisschen was sparen wollte, war das irgendwie zu wenig. Einen anderen Job hatte ich mir noch nicht besorgt, musste das nun aber eindeutig angehen. Schon nach kurzer Zeit hatte ich dann ueber die Franzosen meinen Job: Fundraising, Spendensammeln fuer den Kampf gegen Cane Toads. Cane Toads sind Kroeten, die giftgefuellte Blasen auf dem Ruecken haben. Wenn sie von anderen Tieren gefressen werden, sterben diese dementsprechend, deshalb sind Cane Toads auch ein ziemlich erfolgreicher Konkurrent fuer andere Tiere im Kampf um Nahrung und Lebensraum. Diese Kroeten sind urspruenglich nicht in Australien heimisch, wie viel anderes wurden sie importiert, in diesem Falle um den Cane Beetle, der ganz gerne mal am Zuckerrohr knabbert, zu fressen. Das hat aber irgendwie nicht richtig geklappt, stattdessen verbreiteten sich die Kroeten immer mehr, beeinflussten dabei wohl ziemlich das natuerliche Oekosystem. Naja, und soweit ich weiss, stehen sie gerade direkt vor der Grenze zu Western Australia. Das Ziel der Organisation, fuer die ich Spenden gesammelt habe, Biodiversity Protection WA Inc., ist es, sie daran zu hindern, nach WA zu kommen, und zwar auf dem Wege, so viele wie moeglich zu toeten (das findet in der Bevoelkerung uebrigens ueberraschend viel Resonanz). Das Geld ist fuer die Ausruestung Freiwilliger, die dann letztlich den Job erledigen. Der markige Leitspruch, den diese sich ausgedacht haben, faellt mir leider gerade nicht ein.
Die Arbeit verlief praktisch immer gleich. Morgens wurde ich vor dem hostel abgeholt, meistens zusammen mit einem oder zwei Franzosen, und zum Buero gefahren. Dort wurden die Plaetze ausgewaehlt, an denen gesammelt werden sollte, ausserdem bekamen wir die Sammelbuechsen und das Namensschildchen. Anschliessend wurden wir zu unserem jeweiligen Bestimmungsort gefahren. Der Job: den ganzen Tag vor dem Supermarkt (es wurde immer vor Supermaerkten gesammelt) stillstehen und alle Passanten anquatschen, auf dass sie was in die Buechse schmeissen.
Also damit, dass die Kroeten getoetet wurden, hatte ich kein Problem; es sinde wirklich keine netten Viecher, aus lauter Liebe wurde auf einer Mangofarm mal mit einer Cricket gespielt. Problematischer war aber fuer mich, dass nur so wenig Geld tatsaechlich die Toadbusters erreichte. Ich bekam eine Kommission von 35% und 30 gingen ans Buero, fuer Benzinkosten und sowas, wirksam wurden eben nur die verbleibenden 35%. Schon merkwuerdig, die Leute mit Spruechen wie "Helft der Umwelt" anzulocken, wenn nur ein Drittel wirklich dem vermuteten Zweck zugefuehrt wird. Nicht so toll. Ich haette mir nichts gespendet. Neben der Langenweile, die haeufiger mal aufkam, wenn partout niemand vorbeilaufen wollte, war das der Hauptgrund dafuer, dass ich letztlich froh war, die Sache nur sieben Tage gemacht zu haben.
Trotzdem war der Job ziemlich interessant. Ich hatte sowas ja noch nie gemacht. Verschafft einem schon neue Einblicke. Und durch die 35% Kommission war der Verdienst auch ganz gut.
Der Job war inzwischen aber auch mein einziger, bei Simon's wurde ich naemlich am 30.Dezember gefeuert. Der Grund war, dass ich an Silvester nicht arbeiten wollte. An sich haette ich das schon gemacht, wenn auch vielleicht ohne Begeisterung. Von den zwei Schichten, die ich in der Woche arbeiten sollte, wurde aber die eine gecancelt, ich haette also nur an Silvester arbeiten sollen, und das fand ich dann doch irgendwie doof. Bei nur einer Schicht in der Woche fuehlte ich mich dem Restaurant gegenueber auch nicht mehr ganz so verpflichtet, ich rief also an und sagte, dass ich nicht arbeiten wolle. Das wurde mir nach kurzem Widerstreben auch zugestanden, zusammen mit der Bemerkung, ich muesse gar nicht mehr wiederkommen. So schnell kann das gehen. Letztlich war es aber kein grosser Verlust, die Stundenanzahl war niedrig und die Bezahlung ziemlich schlecht. Silvester war dann ganz nett, ne Party im hostel und nach zwoelf noch ein paar Clubs. Auch an Silvester haben diese aber nicht laenger auf als normal. Knallen darf man nicht, ausserdem ist es verboten, mit einer offenen Flasche Bier oder anderen offenen Spirituosen durch die Strassen zu laufen. Es kann einen 50AUD kosten, wenn man erwischt wird, zumindest aber muss man den Alkohol auskippen. Die spinnen, die Ozzies!
Den Spendensammel-Job habe ich fast bis zum Ende weitergemacht, wenn auch nicht taeglich. Der Verdienst wurde immer besser, denn ich wurde immer besser, konnte mehr Leute ueberzeugen Geld zu spenden. Einen Tag bevor ich Perth schliesslich am 10.Januar verliess, wurde mir sogar vorgeschlagen, fuer zwei Tage in einen anderen Ort zu fahren und dort zu sammeln. Das haette der Anfang einer Karierre sein koennen! Die Uebernachtungen und die Fahrt waeren gezahlt worden und ich haette es wohl auch gemacht, aber ich hatte bereits die lift-Gelegenheit und konnte deshalb nicht. Waer bestimmt interessant gewesen.
In der ersten Woche des neuen Jahres entschied ich, den Gedanken an einen hoffentlich baldigen Aufbruch im Kopf, noch ein bisschen was in der Umgebung von Perth zu machen. So ging ich also zusammen mit ein paar Leuten aus dem hostel fuer zwei Tage nach Rottnest Island, das ist eine Insel (Ueberraschung!) knapp 20km vor Perth. Sie ist nicht sehr gross, man kann ohne Probleme in zwei, drei Stunden mit dem Fahrrad einmal rum fahren. Was wir auch gemacht haben. Dabei haben wir festgestellt, dass die Insel richtig schoen ist, mit wunderbaren Straenden praktisch ueberall an der Kueste. Wir hatten aber auch super Wetter! Auffaellig an der Insel ist auch die grosse Population von Quokkas. Die sind, glaube ich, eine dem Kaenguruh verwandte Spezies, aehneln aber uebergrossen Ratten (sie sind aber (trotzdem?) ganz suess) und ihnen verdankt die Insel auch ihren Namen: Rottnest - Rattennest.
Nach der Rueckkehr von Rotto habe ich mich dann intensiver um einen lift nach Adelaide bemueht. Ich mochte die Stadt schon immer noch. Auch trotz einer etwas ekligen Eigenheit: In Perth, oder zumindest in Northbridge, wo ich mich hauptsaechlich aufgehalten habe, gibt es ziemlich viele Kakerlaken. Im hostel waren ein paar und die krabbelten eben, vor allem abends und nachts, so am Boden rum. Naja, man gewoehnt sich an vieles und sogar irgendwie an Kakerlaken. Ein bisschen merkwuerdig war es aber schon, als ich einmal mit Alex, dem Typen von der Mangofarm bei Katherine, in einer Cocktailbar sass und auf einmal eine Kakerlake die Wand entlang krabbelte. Dass Kakerlaken fliegen, habe ich auch in Perth das erste Mal gesehen. Einmal ist mir sogar eine auf die Schulter geflogen und wollte anscheinend in meinen Kragen schluepfen. Da hoert der Spass bei aller Gewoehnung aber difinitiv auf! Das ist zum Glueck nur einmal passiert.
Ich musste die Stadt aber sowieso verlassen, denn meine Mutter kommt mich Ende Januar in Adelaide besuchen und wenn man annimmt, dass die Reise etwa zwei Wochen dauert und man in Adelaide auch noch ein bisschen verschnaufen will, wurde es hechste Zeit aufzubrechen. Ich konnte mir ziemlich kurzfristig eien lift von einem Schweizer organisieren und am 10.Januar verabschiedete ich mich endgueltig von Perth.
Weiter gings...

Posted by Blablub 15:53 Comments (2)

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